Zu Beginn der Pandemie war für Dr. Merritt Moore kaum vorstellbar, dass für eine Zeit lang ein Cobot ihr einziger Tanzpartner sein würde. Und doch hielt es sie nicht davon ab, das Tanzbein zu schwingen und zusammen mit ihrem maschinellen Gegenüber wunderschöne und einzigartige Bewegungen aufs Parkett zu legen.

Zu Beginn der Pandemie war für Dr. Merritt Moore kaum vorstellbar, dass für eine absehbare Zeit ein Cobot ihr einziger Tanzpartner sein würde. Und doch hielt es sie nicht davon ab, das Tanzbein zu schwingen und zusammen mit ihrem maschinellen Gegenüber wunderschöne und einzigartige Bewegungen aufs Parkett zu legen.
Dr. Merritt Moore, Ballerina und QuantenphysikerinEs gibt viele ungute Stereotypen über Tänzer und Wissenschaftler. Oft ist für Wissenschaftler und Ingenieure die Kreativität nötig, um neue Lösungen für Probleme zu finden. Tänzer brauchen mitunter technische und analytische Fähigkeiten, um besser zu werden.
Sie stammt aus Los Angeles, lebt in London und hinterlässt auf den ersten Blick einen recht unkonventionellen Eindruck. Doch Dr. Moore hat Karriere als professionelle Balletttänzerin beim norwegischen Nationalballett gemacht. Sie war beim English National Ballet und dem Boston Ballet. Zudem ist Dr. Moore Quantenphysikerin, hat eine Astronautenausbildung absolviert und einen Doktortitel in Atom- und Laserphysik an der Universität Oxford erworben.
Zwei Welten, die für Dr. Moore ganz natürlich sind und sich problemlos ergänzen – auch wenn sie durchaus mit der Einstellung anderer Menschen konfrontiert wird, sich für eine der beiden Disziplinen entscheiden zu müssen, wie sie sagt. Sie aber ist der Meinung, dass die Grenzen zwischen Kunst und Wissenschaft fließend ineinander übergehen und ihre kreative Seite frische Ideen für ihre Arbeit im MINT-Bereich bringt.
„Es gibt viele ungute Stereotypen über Tänzer und Wissenschaftler. Oft ist für Wissenschaftler und Ingenieure die Kreativität nötig, um neue Lösungen für Probleme zu finden. Tänzer brauchen mitunter technische und analytische Fähigkeiten, um besser zu werden“, sagt Dr. Moore. „Ich hoffe, dass die nächste Generation von Frauen keine Vorbehalte darüber hat, wie eine MINT-Karriere aussehen sollte.“ Ein anschauliches Beispiel für Dr. Moore´s Tanz zwischen den Welten ist ihr Pas de deux mit „Baryshnibot“, wie er von ihren Instagram-Followern liebevoll genannt wird – einem UR10e-Cobot von Universal Robots.
Doch der Reihe nach: Es begann in Oslo, wo Dr. Moore mit dem Norwegischen Nationalballett in Schwanensee und La Bayadere auftrat. Dort traf sie auf Silje Gabrielsen, Senior-Designerin und Mitbegründerin von Hiro Futures, einem Start-up für Mensch-Roboter-Interaktion mit Sitz in der norwegischen Hauptstadt. „Wir erforschen künstliche soziale Fähigkeiten in der Robotik“, sagt Gabrielsen. „Zu unseren Schwerpunkten gehört, wie wir die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Robotern verbessern können. Aktuellen Robotern fehlen noch einige Fähigkeiten, um in nicht-industriellem Umfeld passend eingesetzt werden zu können. Anstatt einen Bildschirm oder zusätzliche Hardware für die Kommunikation mit Menschen zu verwenden, wollen wir eine intuitivere Methode nutzen: die Körpersprache."
Dr. Merritt Moore, Ballerina und QuantenphysikerinIch war regelrecht süchtig danach. An Wochenenden, nach Proben und zwischen den Shows arbeitete ich mit dem Roboter und erforschte die Bewegung.

Als Gabrielsen hörte, dass Dr. Moore sowohl professionelle Balletttänzerin als auch Astrophysikerin mit großem Interesse an der Robotik war, sah sie die perfekte Gelegenheit gekommen. „Wir waren uns einig, dass dies der ideale Zeitpunkt wäre, diese Interaktionen und Bewegungen weiter zu erforschen“, so die norwegische Designerin weiter. Sie borgte Dr. Moore den firmeneigenen UR5e-Roboter und vermittelte später einen unserer UR-Händler, der den größeren UR10e-Cobot mit mehr Reichweite leihweise zur Verfügung stellte.
„Ich war regelrecht süchtig danach. An Wochenenden, nach Proben und zwischen den Shows arbeitete ich mit dem Roboter und erforschte die Bewegung.“ Ihre Arbeit weckte das Interesse des neuen ArtLab an der Harvard University in Boston, das sie daraufhin einlud, eine der ersten Artists-in-Residence zu sein, um diese Forschung weiter voranzutreiben.
„Das war kurz vor dem Lockdown im Januar 2020. Damals dachte ich: Interessant, dass ich gerade mit Robotern arbeite. Wer hätte geglaubt, dass ein Roboter für eine sehr lange Zeit mein einziger potenzieller Tanzpartner sein könnte? Und hier stehen wir nun.“

Baryshnibot wurde ursprünglich für sich wiederholende industrielle Automatisierungsaufgaben entwickelt. Dr. Moore hat es geschafft, dass unser kollaborierender Roboter heute sogar mit komplexen Tanzbewegungen mithalten kann. Dr. Moore: „Ich habe mich für einen Cobot von Universal Robots entschieden, weil ich eine Maschine brauchte, die zuverlässig und intuitiv auf menschliche Bewegungen reagieren kann. Toll ist ebenso, dass sich der Roboter so einfach umprogrammieren lässt. Das hatte es mir erleichtert, ihm rasch neue Tänze und Stile beizubringen. Normalerweiseführt der Cobot ja Aufgaben mit anstrengenden sowie repetitiven Bewegungen aus, wie Schrauben und Schleifen. Ich musste mir also etwas einfallen lassen, um die Bewegungen perfekt auf den Menschen abzustimmen.“ Dr. Moore arbeitete in einem Studioraum, der von The Koppel Project zur Verfügung gestellt wurde. Ihr nächster Coup: Die Performance aus einem zentralen Londoner Galerieraum per Livestreaming in alle Welt übertragen.
Sie möchten es genauer wissen? Schalten Sie ein, wenn Dr. Moore unseren US-Podcast besucht, um ein aufschlussreiches und unterhaltsames Gespräch über das Lernen zwischen Mensch und Maschine zu führen und darüber, was sie und Baryshnibot als nächstes vorhaben.
© Titelbild: Skjalg Vold

