Herr Praus, was sind die typischen Aufgaben, die Sie im Laboralltag zu bewältigen haben? Wie haben sich die Herausforderungen durch COVID-19 verändert?
Michael Praus: In unserem Labor bearbeiten wir neben Blut- auch mikrobiologische Proben wie Abstriche. In der Pathologie analysieren wir zudem unter anderem Gewebeproben. Wesentliche Herausforderungen sind für uns der zunehmende Preisdruck und der anziehende Wettbewerb. Aber auch mit dem Fachkräftemangel haben wir zu kämpfen.
Durch COVID-19 haben wir die Diagnostik nun zusätzlich auf SARS-Coronavirus-PCR-Tests ausgeweitet. Das bedeutet, dass wir insgesamt mehr Anfragen bekommen und demnach unsere internen Abläufe sowie personelle Auslastungen anpassen müssen. In der neu entstandenen Abteilung wird zum Beispiel im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet, um zeitnah die geforderten PCR-Untersuchungen durchführen zu können.
Konnten Sie problemlos umstrukturieren, um den Arbeitsaufwand in der neu geschaffenen „COVID-19-Abteilung“ zu stemmen?
Michael Praus: Abteilungen und Labore mussten sich personell neu sortieren. Doch nicht alle Bereiche lassen sich einfach umstrukturieren: Wir sprechen hier zum Beispiel über die Notfallversorgung von Krankenhäusern, die zu jeder Zeit gewährleistet sein muss. Ob auf Intensivstationen oder bei OPs – Ärzte benötigen Laborparameter schnellstmöglich, um Patienten im kritischen Zustand effizient versorgen zu können.
Diese Notfalluntersuchungen für Rettungsstellen lassen sich nicht planen und unterliegen keinen geregelten Arbeitszeiten. Die Versorgung muss zu jeder Tages- und Nachtzeit gewährleistet sein. So verbrachte eine technische Assistentin die meiste Zeit des Tages damit, auf die nächsten Proben zu warten. Es gab keinen wirklichen Anreiz für Mitarbeiter, die Nachtschicht zu übernehmen, geschweige denn Fachkräfte für solche Stellen zu begeistern. Dank der Robotik konnten wir diesem Problem begegnen – nun übernimmt ein kollaborierender Roboter, ein Cobot, die unliebsamen Arbeitszeiten.