Zur perfekten Cobot-Anlage führen viele Wege: Die einen Unternehmen setzen alles daran, die Anwendung selbst zu entwickeln und zu integrieren. Andere wiederum vertrauen lieber auf die Hilfe professioneller Systemintegratoren. Was ist der Königsweg? Oder gibt es den womöglich gar nicht?

Wer in die Ferne reisen will, dem steht online buchstäblich die Welt offen: Vom Flug bis hin zum Abendessen am Urlaubsziel ist vom Sofa aus alles plan- und buchbar. Individualisten schätzen diese Entscheidungsfreiheit. Andere setzen lieber auf das Fachwissen ortskundiger Spezialisten: Das Reisebüro ihres Vertrauens berät sie und stellt die Traumreise zusammen.
Selber planen oder planen lassen? Diese Frage stellt sich auch für die unternehmerische Reise in die Automatisierung. Wie viel externe Beratung und Expertise müssen sein, damit diese ein Erfolg wird?
Unsere kollaborierenden Roboter (Cobots) sind technisch so gestaltet, dass der Endkunde seine Roboteranwendung komplett eigenständig entwickeln und integrieren kann. Der „nackte“ Cobot wird je nach Einsatzgebiet durch Peripherie-Produkte so ergänzt, dass er seinem Job in der Fertigung nachkommen kann. Die Programmierung über die Software PolyScope erfolgt nahezu intuitiv. Wir bei Universal Robots verfolgen dabei ein klares Ziel: Automatisierung soll kein Geheimwissen speziell ausgebildeter Programmierer erfordern, sondern einfach jedem Mitarbeiter zugänglich sein.
Der Zulieferer VEMA etwa hatte für seine Fertigung gezielt „nach einer kosteneffizienten Robotik-Lösung, die wir selbst integrieren und programmieren konnten“ gesucht, so Geschäftsführer Christian Veser. Ziel war nicht nur, monotone, kräftezehrende oder zeitraubende Tätigkeiten von einem Cobot erledigen zu lassen, sondern ebenso, das nötige Know-how intern aufzubauen – auch, um künftig nicht auf externe Hilfe angewiesen zu sein.

VEMA erwarb einen ersten Cobot des Typs UR5e, ließ Mitarbeitende von Universal Robots schulen – und diese dann erst einmal mit dem Neukauf spielen. Ganz so, wie Kinder sich etwa einem Tablet nähern: mit Neugier und Spaß am Experimentieren. Der UR5e wurde vom Automatisierungs-Team mit Endeffektoren ergänzt und selbst programmiert. Und schon bald erledigte Elfriede – so taufte die Belegschaft den Cobot – problemlos und selbstständig erste einfache Pick-and-Place-Aufgaben.
Neben Elfriede schaffen bei dem schwäbischen Mittelständler inzwischen auch die UR5e-Cobots Bruno, Günter und Jürgen an sieben Tagen pro Woche. Schon die Namen der Roboter zeigen, dass die Geräte in der VEMA-Belegschaft so etwas wie Kollegenstatus genießen
Fleißig ist das High-Tech-Quartett obendrein: Die Produktivität habe sich durch die Cobots um bis zu 30 Prozent erhöht, meldet Veser. Und noch etwas freut den Chef: Dass aufgrund der hohen Akzeptanz nun viele Mitarbeitende selbst immer wieder neue Einsatzmöglichkeiten für die Cobots vorschlagen.

Ein klar umrissenes Einsatzgebiet, ausreichend Zeit zum „Spielen“ sowie ein hoch motiviertes Team, das bereit ist, sich mit dem Thema Automatisierung kreativ auseinanderzusetzen und ständig dazuzulernen: Das waren die Faktoren, dank derer die DIY-Strategie bei VEMA aufging und zur Erfolgsgeschichte wurde. Dabei ist das letzte Kapitel noch längst nicht geschrieben.
Doch wenn das alles so einfach ist: Wer braucht dann noch die Hilfe eines Integrators? Denn dies ist die andere Automatisierungs-Option für Unternehmen: Gemeinsam mit dem Endkunden entwickeln Integratoren maßgeschneiderte Robotik-Lösungen, erwerben das nötige Equipment, kümmern sich um die Schnittstellen und liefern die fertigen Cobots an ihren neuen Arbeitsplätzen ab. Mitunter gehört auch die Schulung der Mitarbeitenden zum Leistungsumfang des Integrators.
Danny Denk, Geschäftsführer der Ecosphere Automation im nördlichen Baden-Württemberg – ein zertifizierter Systemintegrator von Universal Robots – ist ein solcher Dienstleister. Er kennt die unterschiedlichen Motive der Unternehmer, die lieber auf seine Hilfe zurückgreifen, als es selbst zu versuchen: Zum einen ist da der große Respekt vor einer vermeintlich teuren Technologie, bei der man weder beim Einkauf noch bei der Entwicklung und Integration etwas falsch machen möchte. Aber auch die Personalfrage spielt eine Rolle. In Zeiten des Fachkräftemangels stehen nicht jedem Unternehmen ausreichend Mitarbeitende zur Verfügung, die willens und in der Lage sind, sich in die Cobot-Materie einzuarbeiten. Und manchmal ist auch schlicht nicht genug Zeit vorhanden, um erst einmal das benötigte Know-how aufzubauen. Für wieder andere Unternehmer ist es zudem beruhigend, einen Experten an der Hand zu haben, der im Notfall schnell eingreifen kann.
Ein typischer Kunde von Ecosphere Automation ist etwa ein Mittelständler aus der Elektronikbranche, der seit drei Jahrzehnten erfolgreich Bauteile in unterschiedlichen Formaten und Größen herstellt: „Die Produkte wurden zu 96 Prozent in Eigenfertigung hergestellt, dem Kunden ist eine hohe Wertschöpfung im eigenen Haus sehr wichtig“, berichtet Danny Denk. Für die Anlagentechnik selbst allerdings gibt es kaum Fachpersonal. Deshalb hilft die Ecosphere Automation dem Kunden, nicht nur die Anlagen am Laufen zu halten, sondern auch, neue Lösungen für eine effizientere Fertigung zu entwickeln. Inzwischen, so Denk, fließt der Automatisierungsgedanke auch in die Entwicklung neuer Produkte ein: Sie werden so gestaltet, dass sie möglichst automatisiert fertigbar sind.

DIY oder Systemintegrator: Weder das eine noch das andere kann pauschal als Königsweg bezeichnet werden; was für das eine Unternehmen ideal ist, kann für das andere die falsche Entscheidung sein. Wichtig ist lediglich eins: dass die gewählte Lösung passt. Und, dass der Cobot am Ende seinen Job macht.
