Warum ist Deutschland – ein relativ kleines Land mit kaum nennenswerten Bodenschätzen – eigentlich ein attraktiver Industriestandort? Weil es hier unvergleichliches Know-how gibt und Fachkräfte, die exzellent ausgebildet sind. Das bringt mich zu der meiner Meinung nach größten Herausforderung, die Unternehmen in Deutschland bewältigen müssen: dem Fachkräftemangel beziehungsweise der Fachkräftekrise – wie unlängst das Handelsblatt titelte.
Für zehn Mitarbeiter, die gerade in Rente gehen, rücken nur fünf nach. Es heißt immer, Automatisierung in der Industrie schafft Arbeitsplätze ab, dabei ist es in Wahrheit der demografische Wandel, der das Profil der Arbeitnehmerschaft dramatisch verändert. Junge Auszubildende stellen heute ganz andere Ansprüche an ihr Berufsleben und stehen vor zahlreichen Entscheidungen: Wenn ich heute 16 Jahre alt bin, wofür entscheide ich mich wohl? Will ich Schweißtechniker werden, ein sicherlich ehrenwerter Beruf, in dem ich aber unter Umständen körperlich für 40 Jahre sehr harte und ungesunde Arbeit verrichten muss? Oder entscheide ich mich für etwas anderes, einen sicheren Job, der mir mehr Freizeit verspricht und meinen Rücken nicht kaputt macht? Kaum verwunderlich: Die meisten Auszubildenden entscheiden sich für die zweite Option.
Schon eine Teilautomatisierung kann den Effekt des demografischen Wandels abfedern. Und macht es Unternehmen möglich, auch in Zukunft zu voller Auslastung am heimischen Standort zu produzieren und von der hier vorhandenen Expertise zu profitieren.